10 • TITEL Spielräume nutzen. Auch klei- ne konkrete Dinge wie her- umliegenden Müll vor dem Eingang aufheben, jemandem helfen, der mit dem Fahrkarten- automaten nicht klarkommt, für eine soziale Organisation spenden, sich dort selber oder politisch engagieren, geben das Gefühl zurück: Ich bin nicht komplett machtlos. Positiv denken. Die Sache mit der sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu Ihren Guns- ten anwenden, also mal ganz bewusst das Beste von sich er- warten, egal, ob im Job oder privat: „Das schaffe ich!“ „Heu- te ist mein Tag!“ Die fördern- den Formulierungen so oft wie möglich denken, gerne auch laut sagen und nicht aufge- ben, wenn es nicht umgehend klappt. Ihr Unbewusstes muss sich erst an die neuen, zuver- sichtlichen Signale gewöhnen. Schönes erleben, z.B. bei einem Konzert in der Elphilharmonie Foto: GS Gedanken nur wahrnehmen. In Krisen erzählt der Kopf oft Katastrophen in Dauerschleife. Nicht alles glauben, besser gedanklich feststellen: „Das ist meine aktuelle Schwarzma- lerei“ statt „Das ist die Wahrheit“. Nachrichten dosieren. Informiert zu sein, ist wichtig, dau- erbeschallt zu sein, lähmt und deprimiert. Vereinbaren Sie mit sich selbst Zeit für Informationen, zum Beispiel 30 Minuten täglich und vermeiden Sie endloses Scrollen auf dem Handy. Zuversicht braucht geistige Pausen! Was auch hilft: Verstärkt auf Nachrichten achten, die positive Entwicklungen aufzeigen. DIE ZEIT beispielsweise bringt am Wochenende mit ihrem Newsletter „Was jetzt?“ aus- schließlich Erfreuliches. In den Spiegel schauen. Vielleicht liegt’s an Ihrem generv- ten Gesichtsausdruck, der für schlechte Stimmung sorgt. Der Blick in den Spiegel, verbunden mit dem Gedanken: „So fühle ich mich jetzt und so sehen mich gerade die an- deren“ reicht vielleicht schon für ein Schmunzeln und bes- sere Laune aller. Ideen austauschen. Warum al- lein vor sich hin grübeln? Ein spontanes oder regelmäßiges Treffen mit Freunden oder Kolleginnen kann helfen. Eine nennt ihr Problem, alle sagen, was sie in diesem Fall tun wür- den. So gibt’s neue, vielleicht sogar zündende Ideen. Stärken erinnern. Sicher ha- ben Sie in der Vergangenheit Dinge gemeistert, die anfangs schwierig, eventuell sogar aus- sichtslos schienen. Erinnern Sie sich daran und schreiben Sie es idealerweise kurz auf. Das gibt Kraft für aktuelle und künftige Herausforderungen. Von nun an so oft wie möglich Gelungenes notieren, um das Gehirn zu überlisten, das sich Misserfolge eher merkt. Pausen machen. Der amerika- nische Psychotherapeut Ernest Rossi meint, dass wir „ultradi- an“ arbeiten, womit er sagen will: in einem ausgeprägtem 2 Phasen-Rhythmus. Alle 90 bis 120 Minuten fallen wir nach einem Zwischenhoch in ein Konzentrations-Tief. Wenn wir uns darüber hinwegsetzen, lässt unsere Energie und Mo- tivation von Stunde zu Stunde nach. Das gilt für den Job genauso wie für Haushaltsarbeiten und das Gedankenka- russell. Deshalb möglichst alle 90 Minuten zumindest eine kurze Pause einlegen, Fenster öffnen, zwei bis drei Knie- beugen machen oder durchstrecken, tief atmen. Ansprüche herunterschrauben. Der Sinn muss nicht „die Welt retten“ sein. Für jemanden da sein, richtig zuhören, etwas lernen, etwas pflegen, Gelegenheiten nutzen, um et- was Schönes zu tun, zu schaffen, zu erleben, Freude fühlen ... reicht vollkommen. Und schließlich noch: Zuversicht als Tagesmotto. Nicht: „Ich muss generell Opti- mist(in) sein“, sondern: „Das war nicht der richtige Weg, ich probiere heute etwas anderes.“ Oder: „Heute verhalte ich mich so, als würde alles gut laufen.“ Quellen: „Job-Sprechstunde“ für Frauen, Ullstein-Verlag; ChatGPT